Nur mit Nähe läuft das Leben rund

Was wir im Moment angesichts von Kontaktsperren, Ausgangsbeschränkungen und weiteren noch auf uns zukommenden Sozialkontaktvermeidungsmaßnahmen erleiden, mag vielleicht im kollektiven Unterbewußten der Menschheit gespeichert sein. Aber für die aktuell lebenden vier Generationen stellt es eine psychische und für unsere Gesellschaft eine soziologische Belastung völlig unbekannten Ausmaßes dar. Eine Belastung deren Spätfolgen wir vermutlich weder einschätzen noch zuverlässig vorhersagen können. Von den wirtschaftlichen Konsequenzen ganz zu schweigen. Um so wichtiger ist es, dass jetzt alle tun, was ihnen gut tut. Denn die geforderte Solidarität und sozialverträgliches Verhalten des Individuums sind immer dann leichter möglich und deutlich wirksamer, wenn sie von zufriedenen und glücklichen Menschen ausgehen.

Die Harvard Studie der Entwicklung Erwachsener

Meine Kollegin und SCIL Master Susanne Weiß machte mich kürzlich auf einen TED TALK von und mit Robert Waldinger aufmerksam. Dieser Mann ist in vierter Generation (!) der Leiter einer Studie, die Menschen ein Leben lang begleitet, um zu erforschen, was Menschen wirklich glücklich und gesund macht: Die Harvard Studie der Entwicklung Erwachsener. Sie verfolgt seit 75 Jahren das Leben von 724 Männern. 2016 waren übrigens immer noch 60 dieser Männer -die meisten bereits über 90 Jahre alt- Teilnehmer der Studie. Die klarste Botschaft aus dieser 75-jährigen Studie mit zehntausenden von Seiten ist: Gute Beziehungen machen uns glücklicher und gesünder. Aus dieser Erkenntnis wurden drei zentrale Lehren über Beziehungen gewonnen:

Einsamkeit ist tödlich

1. Soziale Beziehungen sind wirklich gut und wichtig für uns. Einsamkeit ist tödlich. Menschen, die stärker mit ihrer Familie, ihren Freunden ihrer Gemeinschaft verbunden sind, sind glücklicher, gesünder und sie leben länger. Die Erfahrung von Einsamkeit stellt sich als toxisch heraus. Menschen, die einsamer sind als sie es wollen, empfinden, dass sie weniger glücklich sind. Ihre Gesundheit verschlechtert sich in der Lebensmitte. Ihre Gehirnfunktion lässt eher nach. Und sie sterben früher als Menschen, die nicht einsam sind.

Die Qualität der Beziehungen entscheidet

2. Die zweite Lehre ist, dass es nicht auf die Anzahl der Freunde ankommt und auch nicht darauf, ob man in einer festen Beziehung ist oder nicht. Ausschlaggebend ist die Qualität der engen Beziehungen. Ständig in Konflikt zu leben, ist schlecht für unsere Gesundheit. Als die Männer der Studie Mitte 50 waren, haben die Forscher geschaut, ob sie vorhersagen können, wer von den begleiteten Personen gesund altern wird und wer nicht. Und es waren nicht die Cholesterinspiegel, oder andere biologische Marker. Es war der Aspekt, wie zufrieden sie in ihren Beziehungen waren. Die Menschen, die mit 50 in ihren Beziehungen am zufriedensten waren, waren die gesündesten im Alter von 80.

Glück ist gut für‘s Gehirn

3. Die dritte Lehre war, dass glückliche Beziehungen nicht nur unseren Körper schützen, sondern auch unser Gehirn. Die Menschen, die in einer Beziehung waren, in der sie das Gefühl hatten, sich wirklich auf den Partner verlassen zu können, hatten auch im hohen Alter die besseren Gedächtnisleistungen.

Schwer zu verstehen, leicht zu ignorieren?

Robert Waldinger beendet seinen TED TALK mit den Worten: „Nun es ist keine Neuigkeit, dass uns glückliche Beziehungen gesünder machen und länger leben lassen. Warum ist das so schwer zu verstehen und so leicht zu ignorieren? Nun…weil wir Menschen sind. Was wir wollen, ist eine schnelle Lösung. Ein Patent. Beziehungen zu pflegen ist aber nicht sexy oder glamurös. Es ist lebenslange Arbeit. Wieder und wieder haben wir in unserer Studie festgestellt, dass die am gesündesten blieben, die in die Beziehungen zu ihrer Familie, zu ihren Freunden, zu ihrer Gemeinschaft investiert haben. Ein gutes Leben besteht aus guten Beziehungen.“ Zitat Ende

Gelingende Kommunikation für gute Beziehungen

Der deutsche Philosoph Martin Heidegger hat uns den Satz geschenkt: „Die Sprache ist das Haus unseres Seins.“  Und in der Tat: Sie ist insbesondere im Hinblick auf gute Beziehungen das alles Einende oder eben leider auch das alles Entzweiende. Deshalb macht es so viel Sinn, sich mit seinem eigenen kommunikativen Repertoire zu beschäftigen und dahingehend zu erweitern, dass man Begegnungen so gestalten kann, dass es allen Beteiligten nachher besser geht. Dazu ist einerseits eine Analyse des persönlichen Kommunikationsstils hilfreich. Mit ein paar Klicks zur Diagnostik.

Ein kurzes Videos dazu:

Und andererseits ist die anschließende Erweiterung des individuellen Repertoires eine gute Idee. Nutzen Sie die Zeit der verordneten Distanz, um sich diesbezüglich weiterzubilden. Mit ein paar Klicks zum webbasierten Coachingprogramm.Dann werden Sie die Begegnungen zu Ihnen nahen Menschen erfreulicher und erfolgreicher gestalten können. Und wenn dann physische Nähe auch zu allem Anderen endlich wieder erlaubt ist, läuft Ihr Leben richtig rund.

Hier noch ein Video zum TED Talk mit Robert Waldinger, falls Sie sich das rund 12-minütige Video anschauen möchten:

Bildquelle: Mit freundlicher Genehmigung von unsplash.com: claudia-soraya-3m15w5sirVs-